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Imagefilme in der Krise?

Nachdem ich in den vorangegangen Artikeln unsere Gründe für den Kauf der GH2 und schließlich einen kleinen Erfahrungsbericht aus der Praxis beschrieben habe, komme ich nun zur Zusammenfassung. Die Hauptfrage ist natürlich: Ist die GH2 derzeit die „ultimative" Videokamera und falls nicht, woran liegts?

Diese Frage fordert natürlich auch einen Vergleich mit anderen Video- und Fotokameras heraus.


Zuallererst: Ultimativ ist sie natürlich nicht. Schon im letzten Teil habe ich ausführlich beschrieben, was der immer noch als Fotokamera angelegten GH2 im Vergleich zu einer richtigen Videokamera fehlt. Und ich befürchte, das sind alles Punkte, die sowohl von Panasonic als auch von Canon oder Sony nie gelöst werden - Schließlich wollen all diese Anbieter auch ihre Videokameras loswerden und bauen sich mit videofähigen Fotokameras ja sowieso schon die eigene Konkurrenz auf. Wenn diese dann auch noch alle Funktionen vollwertiger Videokameras besitzen würden, gäbe es überhaupt keinen Grund mehr, viele tausend Euro mehr für Letztere auszugeben.

Mit fehlenden Videoeinstellungsmöglichkeiten, keinen XLR Eingängen etc. wird man also voraussichtlich bei Systemkameras und DSLRS noch lange leben müssen (Zumindest beim Peaking tut sich was, die neue Sony Alpha 77 bietet eben dieses nämlich an). Wenn man diese (meiner Meinung nach verschmerzbaren) Punkte allerdings mal außen vorlässt, ist das Filmen mit der GH2 (und auch mit jeder anderen DSLR oder Systemkamera) zwar komplizierter und aufwendiger als mit einer reinen Videokamera - aber wenn man ein bisschen Zeit in die Übung investiert und auch beim Dreh die notwendigen Kapazitäten frei hat, sprechen die erreichbaren Ergebnisse für sich. Ergebnisse, die bis vor wenigen Jahren noch teuren Filmkameras vorbehalten waren!

Die Frage ist also, gibt es Nachteile gegenüber der Konkurrenz von Canon in Form der überaus beliebten Canon 5D Mark II? Sicher, die gibt es:

- Das Handling. Mal abgesehen davon, dass die 5D dank ihrer Größe professioneller aussieht, lässt sie sich auch besser bedienen und in nahezu jedes Rig einspannen.
- Das Zubehör. Für die GH2 gibt es nicht einmal einen Batteriegriff, während man bei der 5D auf ein breites Spektrum von Zubehörteilen von allen möglichen Anbietern zurückgreifen kann.
- Die Objektiv-Auswahl. Klar, per Adapter kriegt man zwar annähernd jedes Objektiv auf die GH2, allerdings immer mit einem Cropfaktor (bei Vollformatobjektiven liegt der bei zwei). Vollformatobjektive zum Beispiel für die 5D gibt es hingegen wie Sand am Meer und das in jeder Preisklasse.
- Das Rauschverhalten. Da der Sensor kleiner ist, ist die Kamera zwar theoretisch lichtstärker (weil das Licht einen deutlich kürzeren Weg von Linse zu Sensor zurücklegen muss), praktisch ist aber das Rauschverhalten schlechter. Das macht sich vor allen dann bemerkbar, wenn man das Licht durch hohe ISO-Zahlen verstärkt. Dieser Punkt wird übrigens bei 5D-Befürwortern bei der Sensordiskussion gerne als Wichtigster angeführt - zu Unrecht, wie ich finde. Die GH2 liefert bis zu einem ISO-Wert von 1250 sehr gute Ergebnisse. Ich weiß ja nicht, wo manche Leute ihre Filme drehen, aber mit einem guten Objektiv sind selbst Nachtaufnahmen ohne Zusatzbeleuchtung bei einer Belichtungszeit von 1/50 ohne Weiteres möglich. Und das kommt sowieso selten vor, da grade im professionellen Filmbereich fast immer künstlich beleuchtet wird. Zumindest ich kam noch nie in meiner Arbeit an einen Punkt, an dem mir die GH2 nicht lichtstark genug war. Insofern ist die Diskussion um das Rauschverhalten einer Kamera grade im professionellen Videosektor meiner Meinung nach eine Theoretische.

Bevor man sich also zwischen einer GH2 und der Konkurrenz entscheidet, sollte man sich genau überlegen, wo man die Kamera wie und wofür einsetzen will. Meiner Erfahrung nach ist sie in den meisten Punkten im Moment die bessere Wahl gegenüber der 5D Mark II. Auch als Allrounder ist die GH2 sicher besser als die 5D geeignet, zumal sie sich auch ohne weitere mal privat mit ins Handgepäck stopfen lässt - der komplette Objektivsatz inklusive versteht sich.

Aber diese Bewertungen sind natürlich subjektiv und können sich tagtäglich ändern - die 1D X steht schließlich schon in den Startlöchern und auch Sony oder Nikon schlafen nicht. Und wer ein paar Euro mehr investieren kann, greift wahrscheinlich sowieso zur neuen RED Scarlett X, die mit einem 50MByte Raw Videocodec sowieso die Nase gegenüber allen Konkurrenten deutlich vorne hat.
Aber auch wenn ein RAW Codec für die GH2 eine Sache der Unmöglichkeit bleiben wird (derartige Datenmengen lassen SD Karten einfach nicht zu), so ist zumindest ein 4:2:2 Codec gar nicht so unrealistische Zukunftsmusik. Und der würde wieder etwas mehr Spielraum in der Postproduktion bedeuten.

Falls Fotokameras jedoch irgendwann mal soweit sind, Videos in einem RAW ähnlichen Format aufzunehmen, gäbe es keinen Grund mehr, deutlich mehr für RED, Alexa und Konsorten auszugeben.

Francis Ford Coppolla formulierte 1991 in der Doku „Hearts of Darkness - A Filmmakers Apocalypse" den Wunsch, dass irgendwann ein kleines dickes Mädchen aus Idaho mit der Videokamera ihres Vaters der neue filmische „Mozart" wird und ein Meisterwerk auf die Beine stellt. Ein Traum, dem die Menschheit in den letzten Jahren durch die rasante Entwicklung der digitalen Videotechnik einen großen Schritt näher gekommen ist. Wenn es so weitergeht ist die Vorstellung, dass bald jede kleine Fotokamera das Leistungsspektrum einer heutigen Profikamera besitzt, also gar nicht mehr abwegig... Wir dürfen gespannt bleiben!

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