Taugt ein Macbook als Schnittrechner? Oder ist er mit dem Bearbeiten und Rendern von 2k oder sogar 4k Material heillos überfordert?

Nach über fünf Monaten intensiver Nutzung des leichtesten Apple Notebooks (Early 2016) in Final Cut X Pro und Adobe Lightroom will ich ein kleines Fazit ziehen. Bitte beachtet: wer Benchmarks, technische Spezifikationen und ähnliches sucht, ist in anderen Tests besser aufgehoben. Hier geht es mir wirklich um reine, subjektive User-Erfahrung bei der aktiven Arbeit an professionellen Imagefilmen.

 

IIm Frühjahr 2016 wartete ich daher schon über ein Jahr auf eine Neuauflage des Macbook Pro. Ich brauchte einen Laptop um mobil arbeiten zu können und wollte dafür einen Rechner von Apple, da ich nicht nur im AVID Media Composer, sondern ab und zu gern auch mal mit Final Cut Pro X schneide. Aber die letzte Macbook Pro Generation war von 2012 (!) und hat seitdem nur minimale Hardware Updates spendiert bekommen, während sich der hohe Preis nicht geändert hatte. So wartete ich also von Keynote zu Keynote darauf, dass der kalifornische Konzern endlich einen Nachfolger seines Arbeitslaptops vorstellte.

 

Diese werden - durch die sich rasant weiterentwickelnde Computer- und Kameratechnik - in immer kürzerer Zeit produziert. Und da Zeit Geld ist und sich so die ganze Preisstruktur des Marktes ändert, verlangen auch die Kunden nach immer günstigeren Filmen in kürzerer Zeit. Das bedeutet, dass so manch Schnitt- und Gradingarbeit schon direkt am Set erledigt wird und das natürlich einen passenden Laptop verlangt.

 

Als das dann im Frühjahr 2016 immer noch nicht passiert war, konnte ich nicht noch mehr Zeit verstreichen lassen und musste mich für eine Alternative entscheiden. Da Windowsrechner wie oben erklärt nicht in Frage kamen gab es nur drei Möglichkeiten: ein veraltetes Macbook Pro, welches zwar meinen Rechenanforderungen genügt, aber von der Preisleistung her inzwischen unverschämt war. Oder ein Macbook Air, welches hardwaretechnisch vernünftig ausgestattet war, mit einigen sinnvolle Anschlüssen aufwarten konnte ABER kein Full-HD Display besaß. Oder eben das Macbook, welches gerade mit den neuen Skylake Prozessoren aktualisiert worden war, aber bei der Performance trotzdem im Notebook Lineup von Apple den Schlusspunkt markierte.

 

Nach dem Sichten etliche Youtubevideos, Testberichten und Benchmarks ging ich das Risiko ein und kaufte mir zum stolzen Preis von 1979 Euro brutto das bestausgestattetste Macbook (12 Zoll Monitor, 1,3 GHz, 8GB RAM, 512GB SSD). Immer im Hinterkopf, es beim hoffentlich irgendwann erscheinenden Macbook Pro wieder verkaufen und auf den großen Bruder umsteigen zu können.

 

Inzwischen nutze ich das Macbook schon seit über fünf Monaten, natürlich für Internet und Textverarbeitung, aber vor allem für Final Cut X und für Adobe Lightroom. Bei letzterem war ich schnell positiv überrascht: Ich hätte nie erwartet, dass sich dieser kleine Rechner im Foto-Bearbeitungs-Alltag so gut schlägt! Die RAW-Verarbeitung in Lightroom läuft flüssig und ohne Probleme, ein Unterschied zu einem „großen“ Rechner ist nicht zu erkennen. Hierfür kann ich das Macbook also uneingeschränkt empfehlen.

 

Und Video? Ich habe während einiger Drehs auf dem Macbook Material eindigitalisiert, bearbeitet und auch komplette Filme geschnitten, dabei wurde ohne Proxys nativ mit den unterschiedlichsten Material gearbeitet: sowohl ProRes HQ, AVCHD, XAVCHD, H.264 in unterschiedlichsten Containern - alles in HD und UHD - als auch DNxHD 185x. Also eine wilde Mischung. Dazu eine Farbkorrektur in Final Cut mit Final Cut Tools, mit Magic Bullet Look und mit Colorista. Bei den Schnittprojekten ging es um Projekte bis zu acht Minuten, meist mit gemischten Ausgangsmaterial, teils in UHD, selten auch mal nur in HD. Mit Zeitraffern, Zeitlupen, diversen künstlichen Zooms, Keyframes an allen Ecken und Enden, Masken, Stabilisierungseffekten, Einblendungen und Effekten - also die ganze Palette, ohne Rücksicht auf den Rechner.

 

Und das Ergebnis? Durchweg überzeugend! Ohne Farbkorrektur läuft auch 4K Material selbst in schnittprogrammfeindlichen Codecs fast immer ruckelfrei und lässt sich in Echtzeit skimmen. Fängt man mit Farbkorrektur und ähnlichen Effekten an, beginnt es dann natürlich etwas haariger zu werden. Auch jetzt ist die Performance für so eine kleine Maschine noch beeindruckend, aber wenn man nicht vorrendert, muss man mit Rucklern beim Abspielen klar kommen. Die sind bei HD noch durchaus akzeptabel, so dass ich trotzdem meist ohne Rendern weitergearbeitet hat (nur bei 4k Material kommt man um ein Prerendering nach der Farbkorrektur nicht drumrum). Auf der reinen Geschwindigkeitsebene konnte ich also mit dem Macbook problemlos kurze Filme schneiden. Wie das allerdings bei umfangreicheren 45 oder sogar 90 Minuten Projekten aussieht, kann ich nicht sagen. Hier würde ich aber auch aus ganz anderen Gründen nicht mit dem kleinen Macbook arbeiten. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten…:

 

Zum Einen hat mich die Performance zwar für den Schnitt „on the run“ überzeugt, aber wer ernsthaft ausdauernd arbeiten will, sollte auf ein deutlich stärkeres Systems setzen. Denn selbst kleine Ruckler können einen auf den Geist gehen und das Arbeiten zur Tortur machen.

 

Viel schwerer wiegen aber andere Probleme: die Renderzeiten dauern ewig, wirklich ewig. Wer genaue Zeiten braucht, wird dazu bei diversen Benchmarks im Internet fündig. Aber „mal eben mal was rausrendern“ ist mit dem Macbook nicht, man muss wirklich viel Zeit mitbringen.

 

Das Display ist mit seinen 12 Zoll extrem klein und so sehr anstrengend für die Augen. Gerade Schnittsoftware braucht viel Platz - und den hat man bei 12 Zoll einfach nicht. Das bedeutet: viel hin- und herschieben von Fenstern, ständiges Optimieren und Umstellen, je nachdem was man gerade macht. Ich dachte anfangs, ich kann das leicht mit einem externen Monitor lösen, das stellte sich aber leider als Trugschluss heraus:

 

Denn zum einen bot mir nur ein Adapter eine stabile HDMI Verbindung: und zwar der 89 Euro (!) teure USB-C auf HDMI Adapter von Apple. Alle anderen drei Adapter von namenhaften Drittanbietern sorgten ständig für Signalausfälle, so sie denn überhaupt funktionierten. Hat man dann endlich die stabile und preisintensive Verbindung stehen, folgt ein Performance Problem, welches auf Softwareseitigen Irrsinn von Apple zurückzuführen ist: Das Bild des Laptopmonitors lässt sich auf den externen Bildschirm zwar spiegeln oder erweitern - es lässt sich aber nicht auf dem Laptop deaktivieren! Das bedeutet, dass die Grafikkarte bei angeschlossenen Monitor immer zwei Bildschirme bespielen muss, was sich natürlich spürbar auf die Performance auswirkt. Es gibt zwar im Internet (teils haarsträubende) Workarounds, wie man den Laptopmonitor irgendwie deaktiviert kriegt (und nicht nur einfach dunkelgestellt), aber die haben bei mir leider nicht funktioniert. Wenn also IRGENDJEMAND eine Idee hat, wie man dieses Problem gelöst bekommt, bitte Mail an mich und ich änder diesen Teil meiner Kritik umgehend.

 

Das letzte - und für mich größte - Problem stellt aber der eine (!) USB-C Anschluss dar. Die naive Idee, mittels diverser Adapter daraus mehrere USB3.0 Anschlüsse zu basteln, erwies sich leider schnell als hinfällig. Denn mag das für eine Maus oder den kleinen USB-Stick noch gehen - sobald mehrere Festplatten gleichzeitig an dem einen Anschluss hängen, ist es vorbei. Auch hier habe ich viel rumprobiert, verschiedene Adapter und Kabel bestellt und mich über Workarounds belesen. So ist es zum Beispiel so, dass meine externe 2TB Samsung SSD, mit USB 3.0 angeschlossen über den 89 Euro Apple Adapter, nicht genügend Strom bekommt. Sie funktioniert zwar erstmal, aber schon bei einer größeren Dateiübertragung schaltet sie sich einfach ab. Nutzt man stattdessen aber ein direktes USB-C Kabel von externer Festplatte zu Rechner, funktioniert sie tadellos! Allerdings hat man dann das Problem, dass man den Rechner nicht mehr gleichzeitig laden kann. Da heißt es schnell schneiden, ehe der Akku alle ist…

 

Die gleiche SSD in der 1TB Version, im selben Gehäuse (!), funktioniert übrigens auch über Apple Adapter ohne Probleme - warum auch immer. Ja, und so zieht sich das durch… Nach vielen Tests mit Adaptern, Verteilern und Hubs habe ich es aufgegeben. Ich nehme an, dass der USB-C Anschluss einfach zu wenig Strom liefert, um mehr als eine Festplatte ohne zusätzliches externes Netzteil zu versorgen.

Wie sieht also bei solchen Problemen mein Workflow in der Praxis aus? Ich hänge das Aufnahmemedium meiner Kamera an den Rechner, kopiere die Daten auf den Desktop. Dann stöpsel ich das Aufnahmemedium wieder ab, hänge meine Schnittfestplatte an das Macbook und importier die Daten vom Desktop. Das ist umständlich, kostet Zeit, erfordert immer genug freien Platz auf der Festplatte - aber funktioniert.

 

Vielleicht erkennt man in Cupertino irgendwann, dass selbst mit einem Macbook tatsächlich gearbeitet werden kann und sie spendieren dem Ding noch einen zweiten USB-C Anschluss. Denn dann wäre das Macbook für mich der ideale Rechner für unterwegs:

 

Superleicht und handlich, ein sehr gutes, hochauflösendes Display, ein extrem (!) gutes Touchpad, was mich oft freiwillig auf eine Maus verzichten lässt, eine ordentliche Performance, mit der zumindest ich bei den meisten meiner Schnittprojekten gut bis sehr gut arbeiten konnte und - für alle Freunde des Visuellen - ein sehr schickes Design gepaart mit einer äußerst hochwertigen Verarbeitung.

So bin ich zwar trotz mangelhafter Anschlussmöglichkeiten trotzdem sehr zufrieden und bin zwar gespannt, was die neue MacBook Pro Auflage mit sich bringt, halte aber einen Umstieg nicht mehr zwingend für notwendig.

 

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