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Das sind unsere Erfahrungen mit dem JibOne von Edelkrone

Wir haben seit März den JibONE in Kombination mit dem HeadPLUS von Edelkrone im Einsatz. Für alle, die das Gerät nicht kennen: beim JibONE handelt es sich um einen Jib Arm, also quasi einen Minikamerakran, der sich ferngesteuert und motorisiert von oben nach unten (oder auch schräg) bewegen kann. Der HeadPLUS ist dann ein Remotehead, der die eingespannte Kamera schwenkt und neigt. In Kombination bedeutet das, dass man programmierte und automatisierte Kamerabewegungen auf drei Achsen realisieren kann.

Das ist eine Möglichkeit, die bis vor kurzem noch aufwendigen und teuren MotionControl Systemen vorbehalten waren, die vor allem in großen Hollywoodfilmen zum Einsatz kamen. Durch Edelkrone kann nun auch der Otto-Normal-Imagefilmer aufwendige Kamerafahrten realisieren und automatisieren.

 

In der Praxis heißt das: man befestigt den JibONE auf einem stabilen Stativ (in unserem Fall das Sachtler Flowtech 75), schraubt den HeadPRO und die Kamera (bei uns eine GH5, das Maximalgewicht der Kamera beträgt 2,3kg) dran, startet die kostenlose Edelkrone App und los gehts.

 

Über den Controller in der App stellt man ganz unkompliziert die verschiedenen Kamerapositionen ein und speichert sie auf bis zu 6 unterschiedlichen Speicherpunkten - meistens braucht man übrigens nur zwei, einen Start und einen Endpunkt. Man kann die Kamera übrigens auch einfach per Hand an die gewünschte Position bewegen und dann den Punkt speichern. Und dann lässt man die Sequenz starten und der Jib fährt die gewünschten Punkte hintereinander ab - die Geschwindigkeit stellt man dabei ganz einfach über einen Slideregler ein.

 

Das alles ist schnell eingerichtet und funktioniert kinderleicht. Aber wie so oft gilt auch hier - leicht zu erlernen, schwer zu beherrschen. Denn herauszufinden, wie man die weichesten Kamerafahrten hinbekommt, was die besten Einstellungen sind und für welche Fahrten der Jib mehr und für welche weniger geeignet ist, das braucht etwas Erfahrung. Zum Beispiel kann sich der Jib Arm nicht auf der horizontalen Achse auf dem Stativ drehen, er hat also keinen Motor auf der Stativplatte. Will man also eine horizontale Bewegung (ähnlich einer Sliderfahrt), muss man den ganzen Arm in die horizontale Position bringen - eine gleichzeitige vertikale Fahrt ist dann aber natürlich nicht mehr möglich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Edelkrone deshalb irgendwann einen Motor anbieten wird, den man zwischen Jib und Stativ schrauben kann… In jedem Fall also unbedingt vor dem ersten Dreh ein paar Probierstunden einplanen, um dann bei der Produktion selbst Zeit zu sparen.

 

Zu Bedenken ist auch - wie bei der Realisation jeder Kamerafahrt - das Thema der Schärfe. Denn soll sich die während der Bewegung verändern (und das ist meistens der Fall), muss man zusätzlich mit einer Funkschärfe und entsprechenden manuellen Objektiven arbeiten. Oder viel Vertrauen in die automatische Schärfe der Kamera haben. Wie auch bei der Nutzung eines Gimbals hat sich bei uns das Schärfethema also schnell als die größte Einschränkung solcher Bewegungssysteme herausgestellt. Aber irgendwas ist ja immer! Und Edelkrone bietet übrigens auch dafür Lösungen an.

 

Auch die Größe des JibONE sollte man nicht überschätzen: er ist klein und damit sehr handlich. Aber das bedeutet auch, dass der Kameraweg nicht besonders lang ist. Seine Stärken spielt er also vor allem bei Nahaufnahmen oder bei Halbnahen aus. In Totalen ist seine Bewegung zu klein, um im Bild einen Unterschied zu machen.

 

Aber bei Aufnahmen von Produkten oder automatisierten Fahrten über ein Gesicht in einer Interviewsituationen spielt er seine Stärken voll aus! Wir sind schnell dazu übergangen, ihn den ganzen Dreh über auf einem extra für ihn angeschafften Stativ aufgebaut zu lassen. So spart man Umbauzeit und trägt das Setup im ganzen einfach von Drehort zu Drehort. Und kann dort dann in Windeseile aufwendige Kamerafahrten realisieren, die so für unsere Produktionsgröße noch vor wenigen Monaten unmöglich gewesen wären.

 

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