Arbeiten mit der Panasonic Lumix GH2 im Vergleich zur Sony EX1 R XDCAM

Nachdem ich im letzten Teil die Vorzüge der GH2 zur Canon 5D Mark II erläutert habe, komme ich in diesem Teil zu einem kleinen Praxisbericht. Als Beispiel dafür dient der Film „Arzt in Sachsen", den wir Mitte 2011 für die Sächsische Landesärztekammer produzierten.

Wir drehten den Film an einem Drehtag mit unserer Sony EX1 R sowie der GH2. Neben einem Dedolight Lichtkoffer, einen 3x650 Watt Sachtler Lichtkoffer, einer Minidolly, einem Sachtler Soom Stativ und einer Glidecam benutzten wir für die GH2 außerdem noch ein Cavision Rig mit Follow Focus. Da der Dreh aufgrund der geringen Drehzeit und der vielen Drehorte schnell gehen musste, war wenig Zeit für kompliziertes, einstellungsabhängiges Einleuchten oder aufwendige Kameraeinstellungen.

Stattdessen setzten wir für jeden der Drehorte ein einfaches Grundlicht und filmten dann mit den zwei Kameras drauf los, um so in kurzer Zeit so viel Material wie möglich zu erhalten. Die EX1 arbeitete dabei immer vom Stativ, während die GH2 die bewegte Hand- bzw. Schulterkamera war.
Wie waren die Ergebnisse? Ich habe diesen Beispieldreh gewählt, da wir da einen direkten Vergleich zwischen der etwa 6000 Euro teuren EX1 und der ca. 1000 Euro teuren GH2 ziehen können. Die Resultate sind ein zweischneidiges Schwert:

Die EX1 ist ein zuverlässiges Arbeitstier. Ausgestattet mit allen Funktionen einer professionellen Videokamera liefert sie immer das, was sie liefern soll. Die Bilder sind immer scharf (manuelles Schärfeziehen vorausgesetzt), es gibt quasi keinen Ausschuss, das Material lässt sich dank AMA mit AVID wunderbar bearbeiten und dank des ½ Zoll Sensors lässt sich im Telebereich auch eine schöne Tiefenunschärfe erreichen. Aber: Es fehlt ihr an Charakter. Die Bilder sehen zu scharf, zu perfekt und dadurch irgendwie zu langweilig aus. Den so unbeliebten „Videolook" kann man so nie ganz ausschalten.

Ganz anders die GH2: durch viele Wechselobjektive und die Möglichkeit, fremde oder ältere Objektive zu adaptieren, kann man hier den Look seiner Wahl inszenieren. Das Bild der GH2 bietet also viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und viel mehr Charakter, das Erreichen eines „Film-Looks" ist hier ohne Weiteres machbar.

Aber: das hat seinen Preis. Die GH2 ist eben vorrangig eine Foto- und keine Videokamera. Das bedeutet: Es gibt kein Peaking, kein Zebra, zu wenig Einstellungsmöglichkeiten bezüglich des Bildes (Kontraste, Farbsättigung, Gamma-Kurve etc.), keine XLR Eingänge etc. Zumal ist das an sich sehr gute Kameradisplay zu klein und schlecht auflösend, um wirklich die Schärfe beurteilen zu können. Zwar kann man im nicht-Aufnahme-Modus per „Expand Focus" ans Bild heranspringen und so genau die Schärfe ziehen, im Aufnahme-Modus ist das aber nicht mehr möglich.

Abhilfe schafft hier nur ein externer Monitor, wir haben uns da für den IKAN VX7e entschieden, der etwas günstiger und vor allem leichter als die Pendants von Marshall ist. Durch Funktionen wie Peaking, False Color etc. lässt sich nun endlich das Bild der GH2 anständig beurteilen. Der Nachteil ist natürlich, dass man das Gewicht der Kamera wesentlich erhöht und mindestens einen zusätzlichen Akku braucht. Außerdem ist der Vorteil der geringen Größe der GH1 damit natürlich dahin und auch preislich ist man mit so einem Monitor schnell bei weiteren 1000 Euro.

Allerdings muss ich betonen, dass besonders das Schärfeproblem vor allem bei Extremen wie dem 25mm Nokton mit relativ offener Blende auftritt. Hier reicht es schon aus, wenn sich die Kamera oder die gefilmte Person 1-2 Zentimeter bewegt - und mit der Schärfe ist es Essig. Wenn man mit Blende 3 oder höher arbeitet, reicht meistens auch der kamerainterne Monitor, um die Schärfe vernünftig zu beurteilen.

Aber trotz Monitor und einem dreiviertel Jahr Erfahrung mit der GH2 produziere ich mit ihr noch deutlich mehr Ausschuss als mit der EX1. Während bei Letzterer fast jedes Bild irgendwie verwendbar ist, stimmt bei den GH2 Bildern öfter mal die Schärfe, die Beleuchtung, die Farben oder irgendetwas anderes nicht. Beim Dreh erfordert es also einiges mehr an Zeit, die Kamera und das Licht einzurichten, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Ein weiterer Nachteil ist, dass die meisten mft-Objektive aufs Fotografieren ausgerichtet sind. Das bedeutet, dass man an Ihnen weder die Blende, noch vernünftig die Schärfe einstellen kann. Es gibt zwar einen Schärfering, aber der funktioniert elektronisch „by wire" und hat deshalb auch keinen Anschlag. Zudem ist der Schärfeweg oft zu kurz. Abhilfe schaffen hier andere, speziell aufs Filmen ausgelegte Objektive, wie zum Beispiel die (sündhaft teuren) Compactprimes von Zeiss. Oder eben wieder das Voigtländer Nokton mit zusätzlichen Schärfering oder adaptierte Analogobjektive.

Auch für die Tonaufnahme ist die GH2 nur bedingt geeignet. Der Micro-Klinke Eingang sowie der eingebaute Tonwandler erlauben kein professionelles Arbeiten. Insofern ist immer eine weitere Videokamera mit XLR Eingang oder ein Tonaufnahmegerät mit dazugehörigem, lästigen Klappe schlagen bzw. Tonsynchronisierung in der Postproduktion von Nöten.

Ein letzter großer Nachteil ist die unsinnige Panasonic Limitierung auf 24p oder 50i. Der PAL Standard von 25p lässt sich an der Kamera nur mit Firmware Hack einstellen. Wenn man, wie wir, den Großteil der Projekte sowieso nur für Internet oder Blu Ray produziert, spielt das keine Rolle, dann ist 24p sogar das geeignetere Format. Will man seinen Film aber als DVD-Video brennen, muss man entweder verlustreiche Konvertierungen oder einen 4% Pal Speed Up in Kauf nehmen. Dieses reine Software Problem wird aber hoffentlich bei Zeiten mal von Panasonic per offiziellem Firmware Update behoben.

Zusammengefasst kann man sagen, dass man mit der GH2 schneller mal „nicht perfekte" Bilder produziert, aber die Möglichkeiten der Bildgestaltung um ein Vielfaches höher sind als bei der EX1.

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