Trends 2027 in der Filmproduktion für Unternehmen

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben auch im Jahr 2027 angespannt, was sich in vielen Unternehmen in vorsichtiger geplanten Kommunikationsbudgets, längeren Abstimmungswegen und einer genaueren Prüfung jeder einzelnen Maßnahme niederschlägt. Die KI-Werbefilmproduktion befindet sich nach einer Phase hoher Aufmerksamkeit in einer Konsolidierung, und das Genre wird von Auftraggebern wie von Zielgruppen zunehmend kritisch betrachtet, wenn im sicht- und hörbaren Inhalt KI-Slop wahrgenommen wird. Hinsichtlich der Filmproduktionsprozesse entstehen aber große Mehrwerte für Auftraggeber.

Trend 1: Spezialisierte B2B-Influencer werden zu Informationsquellen für Entscheider

Influencer-Marketing wurde lange mit Konsumgütern, Mode und Lifestyle verbunden, gewinnt aber auch im B2B-Umfeld an Bedeutung. Eine Studie von OMD e2b und LinkedIn zeigt, dass Entscheiderinnen und Entscheider Business Influencer als Informations- und Inspirationsquelle nutzen, besonders in der frühen Recherchephase. 54 Prozent der befragten (Mit-)Entscheider sind mit den Mechanismen des Influencer-Marketings vertraut, zwei Drittel konsumieren Inhalte von B2B-Influencern bevorzugt über LinkedIn, und 62 Prozent greifen in der Recherchephase auf Influencer-Content zurück. Auch auf Seiten der Unternehmen verschieben sich die Prioritäten: In einer LinkedIn-Befragung in zwölf Märkten stimmten 73 Prozent der Marketer der Aussage zu, dass die Glaubwürdigkeit einer Marke wichtiger werde als reine Sichtbarkeit. Parallel versucht LinkedIn, Fake-Engagement und generische KI-Inhalte zurückzudrängen, was echte Fachstimmen zusätzlich aufwerten soll.

Relevant sind dabei weniger Personen mit großer Reichweite als Fachleute, die sich auf eine Branche oder ein Thema spezialisiert haben und dort über Jahre Wissen und Vertrauen aufgebaut haben. Beispiele sind die Elektromobilität, die Zerspanungstechnik oder Infrastruktur- und Bauthemen, bei denen Ingenieure, Projektleiter oder Fachjournalisten neue Technologien, Normen und Projekte für ein Fachpublikum einordnen. Für Unternehmen ergeben sich daraus zwei Wege, die sich ergänzen: die Zusammenarbeit mit externen Fachleuten, etwa bei Werksbesuchen, auf Messen oder in gemeinsamen Interviewformaten, und der Aufbau eigener Mitarbeitender als Corporate Influencer, die aus ihrem Arbeitsalltag berichten. In beiden Fällen entsteht Bedarf an Videoinhalten, die fachlich korrekt und handwerklich sauber umgesetzt sind und die bei bezahlten Kooperationen als Werbung gekennzeichnet werden.

Trend 2: Relevanz von Videos für die KI-Suche (GEO und LLMs) steigt

Mit dem Wandel der Online-Suche erhalten Videos eine neue strategische Bedeutung, denn Suchsysteme wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity liefern nicht mehr nur Linklisten, sondern formulieren direkte Antworten, in denen Texte und Videos als Quellen genannt werden. Die zugrunde liegenden Sprachmodelle erschließen Videoinhalte inzwischen weitgehend automatisiert, indem sie gesprochene Inhalte transkribieren, Bildinhalte erkennen und das Material thematisch einordnen, sodass ein Video ähnlich wie ein Fachartikel als Informationsquelle ausgewertet werden kann. Nach Daten von Meltwater war YouTube im August 2026 die meistzitierte Plattform in acht KI-Produkten, darunter Claude, ChatGPT, Gemini, Perplexity und Google AI Overviews, noch vor Reddit. Dabei entfällt der größte Teil der Zitate auf längere Videos und nicht auf Kurzformate, und Kennzahlen wie Aufrufe, Likes oder Abonnenten stehen nach einer Auswertung von OtterlyAI kaum im Zusammenhang mit der Häufigkeit, mit der ein Video zitiert wird. Ausschlaggebend sind stattdessen der inhaltliche Referenzwert und die Struktur eines Videos.

Sorgfältig produzierte Videos können deshalb in KI-Antworten eine ähnliche oder größere Sichtbarkeit erreichen als klassische Blogbeiträge, zumal bewegte Bilder von realen Menschen, Orten und Abläufen als nachvollziehbare Belege für die Aussagen eines Unternehmens wahrgenommen werden. Wer in der KI-Suche sichtbar bleiben möchte, sollte auf Videos setzen, die inhaltlich klar aufgebaut sind, zentrale Fragen der Zielgruppe direkt beantworten und auf der eigenen Website mit Transkript, Untertiteln und einem erläuternden Begleittext eingebunden werden, damit Suchsysteme den Inhalt eindeutig zuordnen können.

Trend 3: Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte und offene Rechtsfragen

Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, nach denen Unternehmen in bestimmten Fällen offenlegen müssen, dass Bild-, Ton- oder Videoinhalte künstlich erzeugt oder verändert wurden, insbesondere wenn diese als sogenannte Deepfakes einzustufen sind. Nach Einschätzung verschiedener Fachbeiträge kann dies nicht nur Darstellungen bekannter Personen betreffen, sondern auch künstlich erzeugte Personen, die plausibel existieren könnten, sowie KI-Darstellungen real existierender Produkte, was für viele Werbefilme, Produktvideos und Social-Media-Inhalte relevant ist. Der Bußgeldrahmen für Verstöße liegt bei bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, und in Deutschland ist die Bundesnetzagentur als Marktüberwachungsbehörde zuständig.

Wie Behörden und Gerichte fehlende oder unzureichende Kennzeichnungen in der Praxis bewerten werden, ist derzeit noch offen. Eine höchstrichterliche Rechtsprechung liegt bislang nicht vor, und in der Fachdiskussion wird unter anderem erörtert, ob sich neben behördlichen Verfahren auch wettbewerbsrechtliche Ansprüche von Mitbewerbern oder Verbänden ergeben können. Wo im Einzelfall die Grenze zwischen einer kennzeichnungspflichtigen und einer nicht kennzeichnungspflichtigen Darstellung verläuft, werden voraussichtlich erst Leitlinien und die Rechtsprechung der kommenden Jahre klären, sodass Unternehmen im Jahr 2027 mit einer gewissen Unsicherheit planen müssen, wenn hör- und sichtbre Elemente KI-erzeugt oder KI-modifiziert sind.

Viele Unternehmen legen deshalb intern fest, wo KI-generierte Inhalte eingesetzt werden, wie sie gekennzeichnet werden und wer sie freigibt, und dokumentieren den Entstehungsprozess ihrer Inhalte. Bei Inhalten, die von der Glaubwürdigkeit realer Menschen, Orte und Produkte leben, entscheiden sich zudem viele Unternehmen für reale Aufnahmen, weil sich die Frage der Kennzeichnung dann nicht stellt.

Trend 4: Hybride Produktion aus Inhouse-Team und Agentur

Immer mehr Unternehmen bauen eigene Kapazitäten für die Videoproduktion auf. Laut dem State of Video Report 2026 des Videohosters Wistia ist der Anteil der Unternehmen mit eigenem Videoteam innerhalb von zwei Jahren von 36 auf 54 Prozent gestiegen, wobei die Unternehmen die externe Vergabe nicht aufgeben: Die meisten produzieren intern, rund ein Viertel beauftragt zusätzlich Freelancer oder Videoproduktionsagenturen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie aus der Schweiz, für die die Videoproduktion Maybaum Film zwischen Februar und April 2026 über 100 Entscheider aus Marketing, Kommunikation und HR in Unternehmen ab 50 Millionen Franken Jahresumsatz befragt hat. Danach sinken die Budgets für Bewegtbildkampagnen trotz Kostendruck nicht, frei gewordene Mittel fließen in eine höhere Produktionsfrequenz und in Qualität, und eine Mehrheit produziert Social-Media-Content bereits inhouse.

In der Praxis entsteht daraus eine Arbeitsteilung, bei der interne Teams den laufenden Social-Media-Content mit hoher Frequenz verantworten, während Imagefilme, Erklärfilme und Recruitingfilme, die über Jahre eingesetzt werden und Konzeption, Lichtgestaltung, Tonaufnahme und Postproduktion auf professionellem Niveau erfordern, weiterhin an Agenturen vergeben werden.

Für die Zusammenarbeit bedeutet das, dass Agenturen neben dem fertigen Film zunehmend auch Rohmaterial, Kurzfassungen und gestalterische Vorgaben wie Video-Styleguides liefern, mit denen interne Teams im Erscheinungsbild der Marke weiterarbeiten können.

Trend 5: LinkedIn wird zum wichtigsten Videokanal im B2B, erklärende Formate gewinnen an Bedeutung

Im B2B-Bereich hat sich der Schwerpunkt der Videoverbreitung verschoben, denn 81 Prozent der Unternehmen nennen LinkedIn inzwischen als ihren wichtigsten Videokanal, noch vor YouTube. Kontinuierlich investiert wird vor allem in vier Formate: Lehr- und Erklärvideos, Produktvideos, Social-Media-Videos und Webinare. Erklärende Videos erreichten dabei über fast alle Videolängen hinweg einige der höchsten Engagement-Raten, und Videos mit mehr als 30 Minuten Laufzeit erzielten in den Wistia-Daten deutlich höhere Klickraten als kurze Formate. Die Rolle von B2B-Videos verändert sich damit: Sie sollen weniger unterhalten und stärker dazu beitragen, Vertrauen aufzubauen und Einkaufsentscheidungen vorzubereiten.

Für die Planung einer Produktion folgt daraus, dass ein Dreh möglichst mehrere Verwertungswege abdecken sollte. Ein längerer, inhaltlich vollständiger Film auf YouTube und der eigenen Website wird von KI-Suchsystemen als Quelle erfasst (siehe Trend 1), während die daraus abgeleiteten Kurzfassungen auf LinkedIn die Fachzielgruppe erreichen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzt ihre Videos bereits in dieser Form weiter und schneidet daraus Social-Media-Clips.

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Über den Autor dieser Seite:

Fabian Schmidt

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